Ukraine-Krieg im Liveticker: +++ 07:25 Russland baut Langstreckenangriffe aus +++
Russland hat seine Langstreckenangriffe gegen die Ukraine weiter intensiviert. Das geht aus einer Studie des Institute for the Study of War (ISW) hevor. Demzufolge wurden im Oktober vor allem jetgetriebene Drohnen und Quasi-Marschflugkörper eingesetzt. Laut den Daten des ukrainischen Generalstabs haben die russischen Streitkräfte im Oktober 6.473 Langstrecken-Angriffsdrohnen vom Typ "Shahed" / "Geran" gegen die Ukraine abgefeuert. Etwa 75 Prozent davon wurden abgeschossen.
Bei einem russischen Angriff auf eine medizinische Einrichtung in Charkiw sind mindestens 46 Menschen verletzt worden. Das schreibt der Bürgermeister der östlichen Großstadt, Ihor Terechow, auf der Plattform Telegram. Am Krankenhausgebäude und umliegenden Häusern wurden aufgrund der Detonationen rund 1.000 Fenster beschädigt. Laut dem "Kyiv Independent" müssen rund 200 Patienten aus der beschädigten Einrichtung evakuiert werden. Charkiw ist nach Kiew die zweitgrößte Stadt der Ukraine und liegt nahe der russischen Grenze und der Frontlinie.
Die Ukraine soll in der Nacht die Ölraffinerie Slavneft-Yanos in der russischen Stadt Jaroslawl mit Drohnen angegriffen haben. Das berichtet der "Kyiv Independent". Demzufolge hätten Anwohner mehrere Brände auf dem Gelände gemeldet. Zu möglichen Opferzahlen oder Schäden gibt es noch keine Angaben. Slavneft-Yanos ist eine der größten Ölraffinerien Russlands, etwa 250 Kilometer nordöstlich von Moskau. Jährlich werden dort etwa 15 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet.
Rund 2800 Soldaten aus elf Ländern werden ab dem 9. November in Polen am ersten Militärmanöver der "Koalition der Willigen" zur Unterstützung der Ukraine teilnehmen. Dabei solle getestet werden, wie nach dem Ende des Kriegs ein dauerhafter Frieden gesichert werden könne, teilt das britische Verteidigungsministerium in der Nacht mit. Großbritannien und Frankreich leiten die Übung "Koalicja 2026" (Koalition 2026), die bis zum 22. November laufen soll. Auch Deutschland beteiligt sich. Das Manöver der Ukraine-Verbündeten war bereits zuvor angekündigt worden, zunächst aber ohne genauere Details wie die Zahl der beteiligten Truppen.
Hochrangige Vertreter aus Europas Politik, Streitkräften und Sicherheitsbehörden kommen heute zu einer Sicherheitskonferenz in Berlin zusammen. Diesjähriges Partnerland der Berlin Security Conference ist Litauen; Präsident Gitanas Nauseda wird die Konferenz am Morgen eröffnen (09.00 Uhr). Für 10.00 Uhr ist im Programm die Ansprache eines namentlich nicht genannten "Sondergastes" ausgewiesen. Inhaltlich soll es bei der Konferenz schwerpunktmäßig um den Krieg in der Ukraine und die Abwehr von Gefahren aus Russland gehen.
Das Hacken des russischen Warnsystems vor Luftangriffen ist nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj ein ukrainischer Gegenangriff mit gleicher Münze gewesen. "Wir reagieren nur auf ihre Angriffe", sagt Selenskyj dem US-Sender PBS. "Sie haben unser System angegriffen. Das war ein Cyberangriff", sagt er weiter. Natürlich habe sich die Ukraine dagegen gewehrt. Die Warn-Apps der beiden Kriegsparteien informieren ihre Bürger unter anderem über drohende Luftangriffe. Russland greife mit Cyberattacken immer wieder Ziele an, um der Zivilbevölkerung zu schaden, darunter auch ukrainische Banken oder das Rentensystem, erklärt Selenskyj weiter.
+++ 02:38 USA: Gespräche zwischen Russland und der Ukraine in Abu Dhabi am 10. November +++
Die USA wollen Delegationen aus der Ukraine und Russland am 10. und 11. November in Abu Dhabi zu Gesprächen über eine Beendigung des Krieges zusammenbringen. Dabei solle es um Sicherheitsvereinbarungen für die Nachkriegszeit, eine Deeskalation und humanitäre Maßnahmen gehen, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter. Für die USA sollen die Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner an den Verhandlungen teilnehmen. Der russische Präsident Wladimir Putin habe nach einem Treffen mit Witkoff vor zwei Wochen in St. Petersburg einer neuen Runde dreiseitiger Beratungen zugestimmt. Dem Regierungsvertreter zufolge kommen US-Gesandte bereits in dieser Woche in Brüssel mit Vertretern aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien, der EU und der Nato zusammen.
Nach einer Warnung vor einer Bedrohung im eigenen Luftraum haben die lettischen Streitkräfte in der Nacht Entwarnung gegeben. Das Objekt sei vermutlich auf lettischem Boden in einem Gebiet nahe der russischen Grenze niedergegangen, teilt das Militär mit. Zuvor hatte die Armee die Bevölkerung alarmiert. "Bringen Sie sich in Sicherheit! Es besteht eine Bedrohung im lettischen Luftraum", heißt es in einer Mitteilung auf dem Kurznachrichtendienst X. Die Bewohner zweier östlicher Regionen waren aufgefordert worden, in geschlossenen Räumen Schutz zu suchen. Kampfflugzeuge der Nato seien zur Luftraumüberwachung aufgestiegen. Ukrainische Militärdrohnen sind bei Angriffen auf russische Ölhäfen in der Ostsee bereits mehrmals in den Luftraum von Finnland, Estland, Lettland und Litauen eingedrungen. Einige der Drohnen hatten dabei ihre Ziele verfehlt und Alarm in den Nachbarländern ausgelöst.
Das russische Militär hat die Ukraine nach Angaben aus Kiew seit dem Morgen mit 171 Kampfdrohnen unterschiedlicher Typen angegriffen sowie mit zehn Raketen. Die ukrainische Luftverteidigung schoss 139 Drohnen und acht Raketen ab oder setzte sie außer Gefecht. Das teilt der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte auf Facebook mit. "Im Laufe des 2. November, in der Zeit von 06:30 bis 19:00 Uhr, griff der Feind die Ukraine mit 171 Kampfdrohnen (davon 103 strahlgetriebene Drohnen) - darunter 'Gerbera'-Drohnen und weitere Typen - sowie mit zehn Raketen des Typs S8000 'Banderol/Dan-T' an", heißt es in der Erklärung.
Bei russischen Angriffen auf ein Dorf im Südosten der Ukraine sind örtlichen Behörden zufolge mindestens 26 Menschen getötet worden. In Komyschuwacha in der Region Saporischschja habe es durch mehrere russische Angriffe mindestens 26 Todesopfer gegeben, teilt der örtliche Gouverneur Mychailo Semikin auf Telegram mit. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Angriffe hätten auf eine Schule abgezielt, die zu "humanitären Zwecken" genutzt worden sei. "Menschen haben dort humanitäre Hilfe erhalten", teilte er mit Blick auf die getroffene Schule mit. Jeden Montag seien dort Hilfsgüter ausgegeben worden und die Russen hätten genau in dem Moment angegriffen, als die ersten Menschen dort eintrafen. Von ukrainischen Rettungsdiensten veröffentlichte Bilder zeigen ein ehemaliges Gebäude, das zu rauchenden Trümmern zerfallen war, sowie Rettungskräfte, die vor Ort im Einsatz sind. Unter den Getöteten sind Gouverneur Semikin zufolge "ein Polizeibeamter und zwei Rettungskräfte des staatlichen Rettungsdienstes".
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnt vor einem neuen großangelegten russischen Angriff auf die Ukraine. Das sagte der Staatschef unter Berufung auf Geheimdienstberichte in seiner abendlichen Videoansprache. "Uns liegen Geheimdienstinformationen vor, dass Russland einen neuen massiven Angriff auf unser Land vorbereitet - wobei es vor allem auf Energie- und Logistikeinrichtungen abzielt", so Selenskyj. Die Russen setzten darauf, dass sich die Aufmerksamkeit der Welt auf "die amerikanischen Zwischenwahlen" richte und die Geschehnisse in der Ukraine dabei übersehen würden, so der ukrainische Präsident. "Wir brauchen Signale aus der Welt an Russland, die deutlich machen, dass Terror zwecklos ist und keinerlei Vorteile bringt. Solange dieser Krieg andauert, wird ihr Öl brennen, und sie werden kein Geld mehr durch Geschäfte mit der Welt verdienen können", betonte Selenskyj.
Nach Angaben von Serhij "Flash" Beskrestnow, ein Berater des ukrainischen Präsidenten für Verteidigungstechnologien, ist über Kiew eine Art "Schutzschirm" errichtet worden. Dieser stört die Funkverbindungen, welche von "Shahed"-Drohnen genutzt werden, erklärte Beskrestnow bei Facebook. Mit dem sogenannten Mesh-Netzwerk würden russische Truppen die Drohnen und ihre Munition fernsteuern.


