Ukraine-Krieg im Liveticker: +++ 07:13 Rathaus überlebt Besatzung in 2014 - und wird nun von Russland zerstört+++
Die Ukraine hat die russische Industrie in der Nacht massiv angegriffen. Insgesamt seien in der Nacht "mehr als 100 Drohnen zerstört" worden, teilte der Gouverneur der russischen Region Nischni Nowgorod, Gleb Nikitin, mit. Opfer habe es keine gegeben, fügte er hinzu. Bei einem Drohnenangriff östlich der russischen Hauptstadt Moskau ist nach russischen Angaben ein Industrieunternehmen getroffen worden. Dabei könnte es sich um eine russische Ölraffinerie handeln (siehe Eintrag von 08.02 Uhr).
Laut ukrainischen Telegramkanälen, über die "Kyiv Independent" berichtet, soll eine große russische Ölraffinerie im Gebiet Nischni Nowgorod in der Nacht Ziel eines Drohnenangriffs geworden sein und in Flammen stehen. Es ist Russlands viertgrößte Ölraffinerie und zweitgrößter Benzinproduzent. Jährlich werden dort etwa 15 bis 17 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet. Laut Bericht produziert die Raffinerie, die rund 800 Kilometer von der ukrainisch-russischen Grenze entfernt liegt, Kraftstoff, der zur Versorgung der russischen Streitkräfte verwendet wird.
Ein russischer Luftangriff hat laut "Kyiv Independent" das Gebäude des Stadtrats von Kramatorsk im Gebiet Donezk zerstört, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Das Gebäude hatte die Besetzung der Stadt durch von Russland unterstützte Milizen im Jahr 2014 und die anschließende Befreiung durch ukrainische Streitkräfte überstanden. "Vor einer Stunde hat Russland mit einem Luftangriff das zentrale Gebäude der ukrainischen Staatlichkeit in Kramatorsk zerstört", schreibt Oleksandr Honcharenko, Leiter der Militärverwaltung der Stadt, auf Facebook. "Sie können ein Gebäude zerstören, unser Land verwüsten und unsere Erinnerungen stehlen. Aber sie können unser Recht auf eine Zukunft nicht zerstören", schrebt er weiter.
In Bulgarien entscheidet sich am heutigen Sonntag in einer Stichwahl, wer künftig an der Spitze des Staates steht. Die derzeitige Präsidentin Ilijana Jotowa, die Verhandlungen im Ukraine-Krieg fordert und von Kritikern als russlandfreundlich bezeichnet wird, steht dabei ihrem Herausforderer Andrej Gjurow gegenüber. Im ersten Durchgang vor einer Woche lag Jotowa mit 35 Prozent der Stimmen nur knapp vor Gjurow, der auf 32 Prozent kam. Die Abstimmung gilt vor allem als Entscheidung der Wähler darüber, welchen außenpolitischen Kurs Bulgarien künftig fahren soll. Jotowa, eine ehemalige Journalistin und sozialistische Europaabgeordnete, hatte das Präsidentenamt erst im Januar von Rumen Radew übernommen. Dieser war zurückgetreten und hatte anschließend die Parlamentswahl gewonnen und das Amt des Ministerpräsidenten übernommen.
Der Inlandgeheimdienst der Ukraine (SBU) hat Videomaterial veröffentlicht, das die Rückkehr von Einwohnern aus der besetzten Stadt Oleschki in der Region Cherson zeigt. "Aufnahmen von Ukrainern, die aus der vorübergehend besetzten Stadt Oleshky zurückkehren", heißt es in dem Beitrag auf Facebook.
Bei russischen Angriffen sind seit dem Überfalls Russlands auf die Ukraine etwa 120 Geistliche getötet worden. Zugleich seien über 800 religiöse Einrichtungen beschädigt worden, sagt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Interview mit "This Week on Capitol Hill". "Einige von ihnen waren tausend Jahre alt und wurden massenhaft mit Drohnen und Raketen, sowohl Marschflugkörpern als auch ballistischen, angegriffen", sagt Selenskyj. Der Interviewer bat ihn um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen amerikanischer Kommentatoren, darunter Tucker Carlson, die Kiew der Verfolgung religiöser Minderheiten beschuldigt hatten. Selenskyj antwortet darauf mit einer Beschreibung der Auswirkungen des russischen Krieges auf die religiösen Institutionen der Ukraine. "Die Russen haben etwa 120 Geistliche getötet", sagt er. "Absichtlich, nicht versehentlich, bei gezielten Angriffen auf diese Menschen, auf unsere Kirchen und andere religiöse Einrichtungen."
Nordkorea hat nach eigenen Angaben ein wichtiges Waffensystem getestet. Die wehrwissenschaftlichen Forschungsinstitute hätten einen neuen Streubomben-Sprengkopf für taktische ballistische Raketen erprobt, meldet die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Ziel des Tests sei es gewesen, die Anpassung an den Kampf und die Leistung des Sprengkopfes zu bewerten. Ein Standard-Sprengkopf vom Typ 2 könne bei höchster Dichte eine Zielfläche von zwölf bis 13 Hektar zerstören, heißt es weiter. Analysten zufolge könnten die Tests Teil der Bemühungen zur Modernisierung des Militärs sein. Nordkorea hat Erfahrungen in der modernen Kriegsführung gesammelt, indem es Truppen für seinen Verbündeten Moskau in den Krieg in der Ukraine schickte.
Im Rahmen des Außenministertreffens der G20 dämpft US-Außenminister Marco Rubio Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch bei den unterbrochenen Getreidelieferungen über das Schwarze Meer: Die USA prüften Vorschläge für eine Lösung. Diese würde den Krieg zwar nicht beenden, könne aber Folgen für die Ernährungssicherheit dämpfen. Außenminister Johann Wadephul sagt nach den Beratungen in Miami, es gebe ein deutlich gestiegenes Interesse an einer Lösung für die Getreidelieferungen. Alle seien es leid, dass Moskaus geopolitische Machtspiele nicht nur Wachstum und Wohlstand weltweit gefährdeten, sondern auch eine Hungerkrise im Globalen Süden provozierten und dabei teils die Ärmsten der Armen treffen würden. Die Wochen bis zum G20-Gipfel seien entscheidend. Aktuell versenken oder beschädigen Russland und die Ukraine Schiffe der Gegenseite. Das Schwarze Meer ist eine der wichtigsten Handelsrouten für Agrargüter weltweit. Beide Länder zählen zu den größten Weizenexporteuren.
Nach der Zusage der USA zum Verkauf von 500 Patriot-Flugabwehrraketen an die Ukraine denkt deren Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits über Möglichkeiten für einen beschleunigten Erhalt der Waffen nach. Im Gespräch mit ukrainischen Journalisten am Randes seines Besuchs in der Türkei spricht er einen möglichen Tauschhandel mit Partnern seines Landes an. "Ich werde versuchen, dies mit einigen Partnern zu vereinbaren, sodass wir aus diesem Paket von 500 Raketen bei jemandem 10, 20 oder 30 (Raketen) entnehmen können, um entsprechende Garantien und Verträge zu unterzeichnen, wonach wir diese Raketen später aus dem amerikanischen Paket mit einem gewissen Prozentsatz oder vielleicht auch ohne Aufschlag zurückgeben werden", sagt Selenskyj. Auf diese Art könnte die Ukraine einen Teil der Raketen noch lange vor dem Eintreffen der amerikanischen Lieferung erhalten und einsetzen.
Rumänien und Moldau berichten von neuen Drohnenvorfällen. Dabei sollen zwei Drohnen aus der benachbarten Ukraine am späten Nachmittag in den moldauischen Luftraum eingedrungen sein. Die Vorfälle hätten sich vor dem Hintergrund massiver russischer Angriffe auf die Ukraine ereignet, schreibt das moldauische Verteidigungsministerium. Die Drohnen hätten den Luftraum wieder verlassen oder seien vom Radar verschwunden, heißt es. Auch im Nachbarland Rumänien gab es am Nachmittag und Abend Drohnenalarm. Zwei Drohnen seien in den Luftraum im Nordosten des Landes eingedrungen, erklärt das Verteidigungsministerium. Den Angaben nach kam mindestens eine Drohne aus Moldau. Rumäniens Militär ließ demnach vorsichtshalber vier F16-Kampfjets und einen Kampfhubschrauber aufsteigen. Eine der Drohnen habe den rumänischen Luftraum wieder verlassen, die andere sei zuletzt in östlichen Gebieten nahe Moldau registriert worden. Abstürze wurden nicht gemeldet.
Nach den Worten von US-Außenminister Marco Rubio wächst das internationale Interesse an einer begrenzten Waffenruhe im Schwarzen Meer. Ziel sei es, ungehinderte Energie- und Getreidelieferungen durch Russland und die Ukraine zu gewährleisten, sagt Rubio auf einer Pressekonferenz. Die USA prüften Vorschläge der Türkei und Indiens, um die Getreidelieferungen wieder in Gang zu bringen. Die Ukraine und Russland gehören zu den größten Getreidelieferanten weltweit. Angriffe auf Schiffe gefährden jedoch den Handel. "Dies bedroht die weltweite Ernährungs- und zum Teil auch die Energiesicherheit", sagt Rubio. Eine Waffenruhe im Schwarzen Meer löse zwar nicht den Krieg, "aber zumindest einen bestimmten Aspekt davon".

