Gas für den Winter: Gasspeicher-Füllstände verfehlen wichtiges Ziel - T-Online
Gasspeicher Wolfersberg östlich von München (Symbolbild): Ungenügende Vorsorge vor dem Winter. (Quelle: Peter Kneffel/dpa/dpa-bilder)VorlesenAktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:001xTeilenDie deutschen Gasspeicher sind für diese Jahreszeit ungewöhnlich leer. Was das Wirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur dazu sagen.
Die deutschen Gasspeicher haben den gesetzlich vorgeschriebenen Füllstand zum Stichtag 1. November deutlich verfehlt. Statt der geforderten rund 70 Prozent lagen die Speicher laut Daten der europäischen Plattform AGSI nur bei etwa 61 Prozent. Das geht aus Angaben der Bundesnetzagentur sowie einer Mitteilung der Initiative Energien Speichern (INES) hervor.
Die Regelung sieht vor, dass die meisten deutschen Gasspeicher zum 1. November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein müssen. Für sechs Speicher gilt eine abgesenkte Vorgabe von 45 Prozent. Daraus ergibt sich rechnerisch ein bundesweiter Zielwert von rund 70 Prozent.
Trotz der Zielverfehlung sieht das Bundeswirtschaftsministerium keine Gefahr für die Versorgung. Eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte: "Die Gasversorgung in Deutschland ist auch bei den derzeitigen Speicherfüllständen für den kommenden Winter gesichert. Nach aktueller Einschätzung ist davon auszugehen, dass Deutschland gut durch den Winter kommt. Entscheidend für die Versorgungssicherheit sind nicht allein die Speicherfüllstände, sondern auch die tatsächliche Ausspeicherung, laufende Gasimporte und weitere Vorsorgemaßnahmen."
Die Sprecherin sagte zudem, die Bundesregierung habe vorsorglich weitere Maßnahmen zur Absicherung der Gasversorgung im Winter ergriffen. Dazu gehörten spezielle Ausschreibungen, mit denen Gasmengen gegen zu frühe Ausspeicherung abgesichert werden sollten. "Diese Maßnahmen greifen teilweise erst nach dem 1. November und sind daher in den aktuellen Speicherfüllständen nicht oder noch nicht vollständig abgebildet. Sie zahlen jedoch positiv auf die Versorgungssicherheit ein, insbesondere für den Spätwinter, wenn die Speicherfüllstände sinken."
Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller verwies gegenüber Reuters auf die veränderte Infrastruktur: "Es ist für die sichere Gasversorgung nicht mehr zwingend, dass die Speicherziele erreicht werden." Deutschland verfüge mittlerweile über Flüssiggasterminals, über die Gas importiert werden könne. Zugleich warnte er: "Gas ist erheblich teurer geworden, dessen müssen sich leider alle Kunden bewusst sein." Die Bundesnetzagentur erklärte zudem: "Die Gasversorgung ist stabil. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung aktuell als gering ein."
Erst einmal nichts. Das Wirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur könnten theoretisch Maßnahmen einleiten. Falls gebuchte Kapazitäten nicht genutzt werden, könnten diese Speichernutzern entzogen werden – um die Speicher dann zu befüllen. Timm Kehler, Vorstand des Verbandes Gas- und Wasserwirtschaft, sagte, das Verfehlen der Vorgaben habe erst einmal keine direkten Folgen. Das Gesetz sehe dafür keine Sanktionen vor. Die Vorgaben seien ein Sicherheitsnetz.
Der Branchenverband INES, der die Betreiber von Gas- und Wasserstoffspeichern vertritt, darunter Sefe, Uniper und VNG, sieht die Lage kritischer. INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann bezeichnete die Zielverfehlung als "ernst zu nehmendes Warnsignal": "Deutschland startet mit geringeren Sicherheitsreserven in die Heizperiode. Damit wächst die Verwundbarkeit der Gasversorgung, insbesondere bei außergewöhnlich niedrigen Temperaturen oder zusätzlichen Störungen der Gasimporte."
Nach Modellrechnungen des Verbandes könnte es bei einem extrem kalten Winter zu erheblichen Versorgungsengpässen kommen. Heinermann: "Mit sinkendem Füllstand nimmt nicht nur die gespeicherte Gasmenge ab, sondern auch die technisch verfügbare Ausspeicherleistung. Die Speicher können dann immer weniger Gas pro Tag bereitstellen. Das kann insbesondere im Februar und März zum Problem werden, wenn nach einem längeren kalten Winter erneut hohe Verbrauchsspitzen auftreten." INES fordert deshalb unter anderem staatlich vergünstigte Kredite, um die Einspeicherung wirtschaftlich attraktiver zu machen. Die Mitglieder des Verbandes repräsentieren nach eigenen Angaben mehr als 90 Prozent der deutschen Speicherkapazitäten.
Heinermann begrüßte, dass sich das Bundeswirtschaftsministerium einer Diskussion über eine Lieferantenverpflichtung geöffnet habe: "Die verfehlten Füllstandsvorgaben zeigen, dass die Speicherbefüllung für kommende Winter verbindlicher abgesichert werden muss. Es ist deshalb richtig und wichtig, dass sich das Bundeswirtschaftsministerium für die Einführung einer Lieferantenverpflichtung offen zeigt. Jetzt müssen wir sehr zeitnah über konkrete Ausgestaltungsmöglichkeiten einer Speicherverpflichtung sprechen, damit diese zeitnah gesetzlich verankert werden kann."

